Lange Zeit waren die Diskussionen über Rechenzentren den IT-Ingenieuren vorbehalten. Mittlerweile sind sie jedoch ein zentrales Thema in der Immobilienbranche: Standort, Grundstück, Baugenehmigung, Stromversorgung, Effizienz, Risiko der Veraltung. In der Schweiz gewinnt die Dynamik an Fahrt, angetrieben durch Cloud, KI und die Frage der Datenhoheit. Für Immobilienprofis werden diese «Black Boxes» zu einem Segment, das es genau zu beobachten gilt, sofern man die Regeln kennt, die sich von denen der traditionellen Immobilien stark unterscheiden.
1) Warum die Nachfrage explodiert und warum sie sich verändert
Seit 2010 hat der Wandel hin zur Cloud die Nachfrage verändert: Weniger wird «zu Hause» gespeichert, dafür mehr in gemeinsamen Infrastrukturen. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Rechen- und Speicherleistung durch KI. Das Resultat: Die Nachfrage steigt, aber der Markt polarisiert sich.
Ein wichtiger Punkt für Investoren und Entwickler: Nicht alle Rechenzentren sind gleich. Die «historischen» Unternehmensrechenzentren können leerstehen oder veraltet sein, während die Infrastrukturen, die den Standards der grossen Betreiber (Hyperscaler-Clouds wie AWS, Microsoft Azure oder GCP) entsprechen, den Wert konzentrieren. Hinzu kommt die kontinuierliche technologische Entwicklung: Bei gleicher Datenkapazität kann der Bedarf an Racks und Quadratmetern sinken, was die Frage der Veraltung besonders relevant macht.
2) Die Schweiz als « Daten-Tresor » und Zürich als Hub
- Standortvorteile in den wirklich « pluggierten » Gebieten (Netzwerk, Redundanz, Nähe zu den Kunden);
- Knappheit an Grundstücken in der Nähe der optimalen Standorte, was den Wert von Grundstücken und bestehenden Anlagen in guter Lage erhöht.
3) Rendite: Warum es attraktiv ist und warum es Sorgen bereitet
- technologisches Risiko (schnellere Obsoleszenz, sich ändernde technische Anforderungen);
- Energierisiko (verfügbare Kapazität, Kosten, Anschlusszeiten, Volatilität);
- Liquiditätsrisiko (seltene Transaktionen, hohe Investitionssummen, geringe Anzahl von Objekten);
- operationelles Risiko (hybrides Objekt, das spezielles Know-how erfordert).
4) Grundstück und Strom: die beiden Engpässe
- Es wird oft eine grosse, zusammenhängende Fläche benötigt;
- eine leistungsfähige Glasfaser-Anbindung;
- und vor allem eine sichere und redundante Stromversorgung.
5) Akzeptanz in der Region: ein eigenes immobilienwirtschaftliches Thema
- imposante, wenig «städtische» Bauwerke wahrgenommen (blinde Fassaden, Sicherheitsaspekte);
- wenig beschäftigungsintensiv im Verhältnis zur Grundfläche;
- nicht immer steuerlich sehr förderlich, wenn der Betreiber nicht lokal ansässig ist, betrachtet.
6) Effizienz und Nachhaltigkeit: vom PUE zur Abwärme
Neue Rechenzentren müssen sich an Energieeffizienzstandards halten, insbesondere an den PUE-Index (Power Usage Effectiveness), der das Verhältnis zwischen der gesamten Energie, die verbraucht wird, und der Energie misst, die tatsächlich für die IT verwendet wird. Je niedriger der PUE, desto effizienter ist das Rechenzentrum.
Strukturelle Entwicklung: Nutzung von Abwärme. Manche Behörden schreiben die Einbindung in Fernwärmenetze vor oder fördern sie, was die Akzeptanz und Nachhaltigkeit verbessern, aber auch Kosten und Planungsaufwand verursachen kann.
7) Immobilienmöglichkeiten: Neubau, Colocation, Umnutzung
- Hyperscale / Grosskunden: Suche nach grossen, unbebauten Grundstücken, industrielle Strategie, hohe technische Anforderungen;
- Colocation: kann in Gewerbegebieten angesiedelt werden, manchmal in bestehende Gebäude (einschliesslich Untergeschosse);
- Umnutzung: Abriss von veralteten Standorten und Wiederverwendung von technischen «Boxen» für andere Zwecke (oder Neubau).
8) Was Profis vor dem Einstieg in die Welt der Rechenzentren beachten sollten
- Technische Lage: Konnektivität, Redundanz, Nähe zu Kunden, Risikobelastung.
- Energie: Verfügbare Leistung, Anschlusszeit, Kosten, Vertrag, Absicherung.
- Spezifikationen: Kühlleistung, Dichte, Modularität, Skalierbarkeit.
- Regulierung/Nachhaltigkeit: PUE, lokale Anforderungen, Abwärme, zukünftige Einschränkungen.
- Mietrisiko: Ein- vs. Mehrmieter, Qualität der Mietverträge, Indexierung.
- Veralterung: Investitionsplan (Capex) und Strategie für die Aufrüstung.
- Liquidität: Markttiefe, Art der Käufer, Ticketgrösse.
Fazit
Rechenzentren sind nicht länger ein Randthema: Sie verändern die gewerbliche Immobilienbranche an der Schnittstelle von Grundstücken, Energie und Technologie. Die Renditeaussichten sind real, aber es gibt Einstiegshürden und Risiken, die die klassische Immobilienbranche in dieser Form nicht kennt. Für Profis geht es nicht nur darum, «der Entwicklung zu folgen», sondern zu verstehen, welche Art von Anlage, welches Modell (Colocation, Hyperscale, Umnutzung) und welche Risikobelastung wirklich mit ihrer Strategie vereinbar sind.