Die Schwankungen auf dem Immobilienmarkt entstehen nie zufällig. Sie hängen eng mit verschiedenen makroökonomischen Faktoren zusammen, deren Analyse es ermöglicht, den Zustand des Marktes zu verstehen und seine Entwicklung vorauszusehen. Durch die Beherrschung dieser Indikatoren können Fachleute zukünftige Trends erkennen und sicherere Investitionsentscheidungen für 2026 treffen.
Die Logik der wirtschaftlichen Konjunktur verstehen
Der Immobilienmarkt reagiert nicht sofort auf Veränderungen der Konjunktur. Im Gegensatz zu den Finanzmärkten folgt er den wirtschaftlichen Zyklen (Expansion, Abschwächung oder Rezession) mit einer zeitlichen Verzögerung. Bauentscheidungen, Angebotsanpassungen und Kaufverhalten benötigen Zeit, um sich auszuwirken.
Diese Verzögerung stellt einen Vorteil für Fachleute dar: Durch eine genaue Beobachtung der ersten wirtschaftlichen Signale (wie Kreditmarktstatistiken, Hypothekennachfrage oder Migrationsentwicklungen) lässt sich die zukünftige Entwicklung des Immobilienmarktes besser antizipieren. Wenn Banken beispielsweise über mehrere Monate hinweg einen Rückgang der Hypothekarkreditanträge feststellen, deutet dies meist auf eine spätere Abschwächung der Kaufnachfrage hin. Dieses Signal erscheint weit früher, als Preisrückgänge oder längere Vermarktungsfristen sichtbar werden.
Makroökonomische Indikatoren
Der Leitzins der Schweizerischen Nationalbank (SNB)
- Niedrige Zinsen stimulieren Immobilieninvestitionen: Sie senken die Hypothekarzinsen, erhöhen die Kreditfähigkeit und stützen die Nachfrage.
- Sie fördern ebenfalls steigende Preise: Ein leichterer Zugang zu Krediten erhöht die Konkurrenz unter Käufern, was die Nachfrage steigert und Anbieter dazu veranlassen kann, Kauf- und Mietpreise zu erhöhen.
- Günstige Refinanzierungen verbessern die Rentabilität bestehender Immobilien, was Anleger dazu motiviert, ihre Portfolios zu halten oder auszubauen.
Die Inflation
- Steigende Baukosten: Materialien und Arbeitskräfte werden teurer, was Neubauprojekte verteuert und den Bau verlangsamen kann.
- Potenzielle Zinserhöhungen: Um die Inflation zu stabilisieren (durch Verringerung der Geldmenge), kann die SNB den Leitzins anheben, was Hypothekarkredite verteuert.
- Druck auf die Kaufkraft der Haushalte: Wenn die Löhne nicht mit der Inflation Schritt halten, sinkt die Fähigkeit zu kaufen oder zu mieten, was die Nachfrage verringern oder in andere Marktsegmente verlagern kann (z. B. Einpersonenhaushalte).
Das BIP und die gesamtwirtschaftliche Konjunktur
- Ein Anstieg der Beschäftigung führt zu zusätzlicher Wohnraumnachfrage,
- steigende Löhne ermöglichen höhere Mieten und Kaufpreise,
- wachsende Einkommen unterstützen ebenfalls Investitionen im gewerblichen Immobilienmarkt.
- Expandierende Unternehmen benötigen mehr Büro- und Lagerflächen,
- die Gründung neuer Unternehmen erhöht die Nachfrage nach Gewerbeflächen,
- ein florierender Detailhandel steigert den Bedarf an Verkaufsflächen.
Demografische Trends
- Ein Bevölkerungswachstum erhöht automatisch den Bedarf an Wohnraum.
- Die fortschreitende Urbanisierung konzentriert die Nachfrage weiterhin in den Zentren und grossen Agglomerationen, was die Immobilienwerte in den Städten stützt.
- Veränderungen in den Lebensstilen (Homeoffice, flexiblere Mobilität, mehr Einpersonenhaushalte) beeinflussen die gesuchten Immobilientypen.
- Steigende Nachfrage nach altersgerechten Wohnungen (barrierefrei, sicher, nahe an Dienstleistungen).
Spezialisierte Immobilienindikatoren
Leerwohnungsziffer
Die Leerwohnungsziffer ist ein zentraler Indikator zur Messung der Spannung zwischen Angebot und Nachfrage. In der Schweiz sinkt sie seit mehreren Jahren kontinuierlich: Per 1. Juni wurden 3519 leerstehende Wohnungen weniger gezählt, was einem Rückgang von 6,8 % entspricht, der fünfte Rückgang in Folge. Mit einer nationalen Quote von rund 1 % bleibt der Markt sehr angespannt.
Für 2026 lässt diese Entwicklung auf noch weniger verfügbare Wohnungen schliessen, was auf eine weiterhin hohe Nachfrage in den meisten Regionen hinweist – sowohl im Miet- als auch im Eigentumsmarkt.
Hypothekarkredite
- Haushalten mit Kapital,
- Familien,
- älteren Käuferinnen und Käufern, die ihre finanzielle Situation stabilisieren möchten.
Schweizer Immobilienpreisindex (IMPI)
Der Schweizer Immobilienpreisindex (IMPI) stieg im 3. Quartal 2025 um 0,8 % gegenüber dem Vorquartal und erreichte 124,3 Punkte (Basis 2019 = 100). Im Jahresvergleich entspricht dies einem Anstieg der Wohnimmobilienpreise von 5,2 %. Diese Dynamik bestätigt einen weiterhin zunehmenden Markt, getragen von einem unzureichenden Angebot und einer anhaltend hohen Nachfrage.
Swiss Real Estate Sentiment Index (sresi®)
Der sresi® 2025 zeigt einen deutlichen Vertrauensanstieg im Sektor. Innerhalb von zwei Jahren ist der Index von einem Tiefstand von –77,4 Punkten auf einen Rekordwert von +69,5 Punkten gestiegen. Trotz einer vorsichtigen Einschätzung der Makrolage erwarten die Fachleute positive Perspektiven, insbesondere im Wohn- und Logistiksegment.
Risikobewertungsindizes: UBS Bubble Index
- Tourismusgebiete in Graubünden,
- das Genferseebecken,
- Yverdon-les-Bains.
Wie Sie Marktschwankungen antizipieren können
- Beobachten Sie die Hypothekarzinsen und die SNB-Politik: Eine Zinserhöhung führt z. B. zu sinkender Kaufnachfrage, längeren Vermarktungszeiten und Preisdruck nach unten. Steigt die Inflation, steigen in der Regel auch die Zinsen (Regulierung durch die SNB). Hohe Inflation verteuert zudem Neubauprojekte.
- Beobachten Sie zentrale Immobilienindikatoren wie die Leerwohnungsziffer und die Preisentwicklung.
- Informieren Sie sich über demografische Trends (Migration, Alterung der Bevölkerung usw.), die die Nachfrage stark beeinflussen.
- Lesen Sie die Analysen des BFS: Ein einzelner Indikator reicht nie aus.
Fazit
Der Immobilienmarkt lässt sich antizipieren, indem einige Schlüsselindikatoren wie Zinsen, Inflation, Konjunktur, demografische Entwicklungen und spezialisierte Immobilienindizes regelmässig beobachtet werden. Durch die Kombination dieser Daten erhalten Fachleute ein zuverlässiges Bild der zukünftigen Spannungen zwischen Angebot, Nachfrage und Preisen und können ihre Investitionsstrategien entsprechend präzise anpassen.